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Chemotherapie Informationen

Allgemein versteht man unter Chemotherapie eine auf Medikamenten basierende Therapie gegen Krebserkrankungen (antineoplastische Chemotherapie) oder Infektionen (antiinfektiöse Chemotherapie). Eine derartige Behandlung kann auf drei verschiedene Arten durchgeführt werden:

Hier ein kurzer Überblick:

Kurative Chemotherapie: Man spricht von einer Kuration, wenn die Therapie auf eine vollständige Genesung des Patienten abzielt. Gleichzeitig soll eine Verschlechterung seines Zustands möglichst verhindert werden.

Adjuvante Chemotherapie: Eine Behandlung, die nach vollständiger operativer Entfernung des Krebsgewebes eingesetzt wird, um zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbare Mikrometastasen zu bekämpfen. Auf diese Weise werden die langfristigen Heilungschancen deutlich verbessert.

Palliative Chemotherapie: Hier liegt das Augenmerk der Behandlung nicht auf Erhalt, Wiederherstellung oder Genesung. Ziel ist es, die Patienten möglichst gut auf die gegebenen Verhältnisse anzupassen, ohne dabei auf die Ursache der Beschwerden zu wirken.

Die bei der Chemotherapie gegen Krebs eingesetzten Mittel nennt man Zytostatika. Diese Medikamente können die Vermehrung von Krebszellen verhindern, im besten Falle sogar abtöten. Die Verabreichung kann in Form von Tabletten, Spritzen oder als Infusion über eine Vene erfolgen. Abhängig vom eingesetzten Mittel machen sich im Laufe der Chemotherapie verschiedene Nebenwirkungen bemerkbar.

 

1. Therapie

Adjuvante Chemotherapie

Bei einer großen Anzahl der Tumorerkrankungen bietet ein operativer Eingriff, bei dem das kranke Gewebe entfernt wird, die besten Chancen auf Genesung. Trotz der vollständigen Entfernung des Tumors kommt es bei manchen Patienten nach einiger Zeit zu einem Rückfall (Rezidiv).
Dies hat den Grund, dass nicht immer alle Krebszellen bei einem Eingriff entfernt werden, da es in anderen Körperregionen zu Metastasenbildung kommen kann. Daher liegt es nahe auch die verbleibenden kranken Zellen durch eine entsprechende Behandlung abzutöten, um den Patienten die bestmöglichen Heilungschancen zu bieten.

Diese, zusätzlich zur Operation eingesetzte Behandlung nennt man in Medizinerkreisen „adjuvante Chemotherapie“. Leider konnten Forscher bis heute noch keine verlässliche Methode entwickeln, eventuell verbliebene Krebszellen im Körper eindeutig aufzuspüren. Deswegen können Mediziner nur abschätzen wie groß das Risiko für einen Rückfall ist und wie stark sich dieses Risiko durch eine adjuvante Chemotherapie senken lässt.

Auch der Erfolg einer solchen Behandlung lässt sich nicht konkret ausdrücken, da es keine Verfahren gibt, die nachweisen können ob vorhandene Krebszellen abgestorben sind. Jedoch lässt sich die Wirksamkeit durch einen Vergleich beweisen: Die Heilungschancen von adjuvant behandelten Patienten sind im Vergleich zu Denjenigen ohne eine Therapie, wesentlich höher.

Neoadjuvante Therapie

Im Gegensatz zur adjuvanten wird die neoadjuvante Therapie vor einem operativen Eingriff eingesetzt. Eine neoadjuvante Therapie kann aus Chemotherapie oder Bestrahlung bestehen. Ziel dieser Therapie ist die Verkleinerung von bestehenden Tumoren, damit sie die passende Größe für eine erfolgreiche Operation erreichen. In medizinischen Fachkreisen nennt man diese Methode „Downstaging“ eines Tumors. Häufig wird diese Form der Behandlung von Frauen mit Brustkrebs eingesetzt. Durch die neoadjuvante Therapie kann oftmals die Amputation der gesamten Brust vermieden werden.

Palliative Chemotherapie

Das Hauptziel der palliativen Chemotherapie besteht darin, Beschwerden durch Tumorerkrankungen zu lindern, sowie die Lebensqualität als auch die Lebenszeit der Patienten zu verlängern. Eine solche Behandlung kommt zum Einsatz wenn der Krebs bereits Metastasen gebildet hat und nicht mehr durch eine Operation vollständig entfernt werden kann. In einer solchen Phase verhindert die palliative Chemotherapie, dass sich die Krankheit uneingeschränkt ausbreitet.

Es kann ebenso zu einer Verkleinerung des Tumors kommen, was eine Verringerung der Schmerzen und Beschwerden nach sich zieht. Jedoch muss man sich darüber im Klaren sein, dass eine vollständige Heilung nicht eintreten wird. Allgemeine Aussagen über am besten geeignete Medikamente lassen sich kaum treffen, da dies stark von ihren individuellen Bedürfnissen und dem Krankheitsverlauf ab. Daher müssen diese Entscheidungen immer von einem erfahrenen Onkologen gemacht werden, der auf sie eingehen kann.

Ablauf der Behandlung

Allgemeines:

Als erstes muss erwähnt werden, dass die meisten Chemotherapien eine systemische Lösung darstellen, welche durch eine Wirkung der Medikamente auf den gesamten Körper gekennzeichnet sind. Um eine möglichst schnelle Verbreitung der Zytostatika im Körper zu erreichen, wird das Mittel häufig als Infusion über eine Vene verabreicht. Dieser Vorgang durchläuft dann mehrere Intervalle, damit auch Krebszellen, die sich gerade in der Teilung befinden, zerstört werden.

Nach dieser ersten Verabreichung muss unbedingt eine Erholungsphase für den Patienten stattfinden, damit sich der Körper von den Strapazen der Chemotherapie bis zur nächsten Sitzung so gut wie möglich erholen kann. Für die genaue Dauer beziehungsweise Anzahl der Zyklen, sowie die Art des Medikamentes lassen sich kaum allgemeine Angaben machen. Diese Faktoren sind bei jedem Patienten individuell und abhängig von Alter, Geschlecht oder Art der Krebserkrankung.

In den meisten Fällen erfolgt eine Chemotherapie ambulant, außer bei Patienten deren Immunsystem stark geschwächt ist. Diese Personen werden stationär behandelt um zu jedem Zeitpunkt über ihren gesundheitlichen Zustand urteilen zu können.

Anhand eines Beispiels soll Ihnen nun ein typischer Tag für einen Krebspatienten nähergebracht werden:

Auch wenn der medizinische Aspekt im Vordergrund steht, müssen gewisse organisatorische Schritte eingeleitet werden. Beispielsweise sind An- und Abreise des Patienten zu planen, da es ihnen selbst nicht gestattet ist, ein Kraftfahrzeug zu bewegen. Ebenso darf man nicht vergessen, dass man zur Behandlung nüchtern erscheinen muss.

Zu Beginn des Tages der tatsächlichen Behandlung steht eine kurze medizinische Routineuntersuchung des Patienten an, wobei beispielsweise die Herzfunktion per Ultraschall untersucht wird. Desweiteren werden die aktuellen Laborergebnisse des Hausarztes ausgewertet, was wiederrum direkten Einfluss auf die Zusammensetzung der Medikation hat. Bevor nun die Zytostatika gegeben werden können, muss ein intravenöser Zugang auf Schulterhöhe gelegt werden. Dieses Portsystem wird meist mit Hilfe einer lokalen Betäubung unter der Haut angebracht und fixiert.

Dieser implantiere Zugangskanal kann theoretisch mehrere hundert Male verwendet werden. Desweiteren bietet er den Patienten einen hohen Bewegungsfreiraum. Bevor es nun wirklich los geht, wird den Patienten eine Infusion gegen die Nebenwirkungen der Chemotherapie verabreicht. Sobald dies geschehen ist, werden die Zytostatika verabreicht. Dieser Vorgang dauert in Regelfall mehrere Stunden. Sobald der zuständige Arzt die Behandlung beendet hat, folgt die Phase der Erholung. In dieser Zeit muss der Betroffene in regelmäßigen Kontakt mit seinem Hausarzt stehen um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig bekämpfen zu können.

Welche Vor- und Nachteile hat die Chemotherapie?

Vorteile:

Ganz im Gegensatz zu einer Operation oder Bestrahlung haben Medikamente den Vorteil, dass sie eine systemische Behandlung zulassen, was bedeutet, dass der ganze Körper von der Behandlung profitiert. Durch die Verabreichung der Zytostatika als Tablette, Spritze oder Infusion, kommt es zu einer Verteilung des Wirkstoffs mit Hilfe der Blutbahnen. So gelangt die verabreichte Substanz in das gesamte Gewebe und in alle Organe des Körpers. Auf diese Art und Weise werden auch vorher noch unerkannte Tumorzellen bekämpft.

Das Gehirn nimmt dabei, aufgrund der sogenannten Blut-Hirn-Schranke, eine Sonderstellung ein. Nur bestimmte Zytostatika können diese Barriere überwinden und in das Gehirn eindringen. Die systemische Behandlung erlaubt es, auch bereits fortgeschrittene Tumore sowie Metastasen zu behandeln. Besonders bei aggressiven Formen, die den ganzen Körper befallen, wie zum Beispiel Blutkrebs, ist diese Art der Therapie meist die einzig Möglichkeit.

Mittlerweile ist die Medizin in der Lage auch örtlich begrenzt wachsende Tumore durch den Einsatz von Zytostatika zu bekämpfen. Meist erfolgt dies in Kombination mit einer Operation oder Bestrahlung. Ein Großteil dieser kombinierten Verfahren befindet sich allerdings noch im experimentellen Stadium. In Zukunft erhoffen sich Mediziner, mit Hilfe dieser Methode, große Fortschritte in der Bekämpfung von Krebs.

Nachteile:

Einer der größten Nachteile ist die eigentliche Aufgabe der Chemotherapie. In den meisten Fällen wird nicht nur Krebsgewebe von den zerstörenden Substanzen angegriffen. Auch gesundes Gewebe leidet unter der Behandlung mit Zytostatika. Vor allem schnellteilende Zellen wie die Haarwurzelzellen, die Schleimhaut oder die Rückenmarkszellen, werden deutlich beschädigt.

Folglich kommt es zu den typischen Auswirkungen einer Chemotherapie: Haarausfall, Probleme mit dem Verdauungstrakt sowie Veränderungen der Blutwerte. Weitere häufige Nebenwirkungen die bei der Behandlung mit Zytostatika zu erwarten sind, lauten: Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit und allgemeines Unwohlsein. Um den Nebenwirkungen möglichst schnell entgegnen zu können, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen während einer Chemotherapie essentiell.

Heutzutage gibt es gegen die meisten negativen Folgen Medikamente, die diese größtenteils unterbinden. Nur für den obligatorischen Haarausfall gibt es noch kein Gegenmittel. Es gibt Präparate, die bereits vor Beginn der Chemotherapie verabreicht werden, um schon von Tag Eins an, Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen zu unterbinden. Auch die Schädigung des Knochenmarks kann mit Hilfe von modernen Medikamenten deutlich reduziert werden.

2. Nebenwirkungen

Allgemeinens

Aufgrund der teils starken Nebenwirkungen, die durch eine Chemotherapie verursacht werden, stellt sich vielen Patienten die Frage ob es eine Möglichkeit gibt sie zu verhindern. Leider ist dies zum heutigen Zeitpunkt noch kaum möglich; lediglich eine Milderung der Folgen kann erreicht werden. Da Zytostatika hauptsächlich schnellwachsende Körperzellen angreifen kommt es zu Nebenwirkungen wie Schädigung der Schleimhäute sowie des Darmtrakts, Veränderung des Blutbildes sowie Haarausfall.

Die Stärke der Folgeerscheinung hängt von dem verwendeten Mittel, der Häufigkeit der Behandlung, als auch von den individuellen Umständen der Patienten ab. Entgegen der landläufigen Meinung, leidet nicht jeder Chemotherapie-Patient unter schwerwiegenden Auswirkungen der Therapie.

Haut, Haare & Nägel

Patientinnen bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit Haarausfall auftreten wird, erhalten bereits zu Beginn der Therapie ein Rezept für eine Perücke, welche in Form und Farbe so originalgetreu wie möglich ausfällt. Bei männlichen Patienten muss die Kostenübernahme einer Perücke erst mit der Krankenkasse abgeklärt werden, da oft argumentiert wird, dass Kahlköpfigkeit bei Männern nicht unüblich sei. Ebenso können manche Zytostatika zu einer Veränderung des Nagelwachstums führen.

Nach der Behandlung machen sich deshalb bei manchen Patienten Querstreifen in den Nägeln bemerkbar, was auf eine Phase des verlangsamten Wachstums hinweist. In seltenen Fällen bewirkt die Chemotherapie eine Veränderung der Stabilität als auch eine Ablösung des ganzen Nagels. Manche hochdosierte Chemotherapien ziehen eine Schädigung der Schleimhäute im Mund, Darm und Genitalbereich nach sich. Diese Nebenwirkungen treten vor allem bei der Behandlung von Lymphomen und Leukämien auf. Um eine zu starke Beschädigung sollten Patienten die Pflegehinweise für die Schleimhäute, welche von den Ärzten
und dem Pflegepersonal ausgegeben werden, beachten.

Die normale Haut hingegen ist bei einem Großteil der Betroffenen nur wenig empfindlich. Nur einer geringen Menge kommt es zu Allergien, welche zum Beispiel durch bestimmte Kosmetika oder Waschmittel ausgelöst werden. All die gennannten Nebenwirkungen bilden sich jedoch realtiv rasch nach Ende der Behandlung zurück. Beispielsweise gewinnen Haare, Haut und Nägel schon wenige Wochen danach ihre alte Stärke und Widerstandsfähigkeit zurück.

Blutbild

Besonders die Entwicklung des Blutbildes, genauer gesagt die der weißen Blutkörperchen, wird während einer Chemotherapie strengstens beobachtet, denn ohne ausreichend Leukozyten kann keine einwandfreie Funktionsfähigkeit des Immunsystems gewährleistet werden. Eine zu geringe Anzahl an weißen Blutkörperchen kann unter Umständen sogar zur Unterbrechung oder auch Verlängerung der Chemotherapie-Zyklen führen. Für Krebspatienten, kann ein geschwächtes Immunsystem unter Umständen sogar denn Tod bedeuten.

Ein erster aber nicht letzter Indikator für zu wenige Leukozyten beziehungsweise eine Infektion ist Fieber. Bei Patienten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf ein geschwächtes Immunsystem, werden bereits zu Beginn der Therapie Antibiotika verabreicht, was unterstützend auf die Immunzellen wirkt. Obwohl ein Großteil der Patienten ambulant behandelt wird, gibt es immer einen gewissen Prozentsatz, bei dem ein stationärer Aufenthalt notwendig ist. Allerdings ist dabei die Gefahr einer Infektion mit Krankenhauskeimen allgegenwärtig. Deshalb werden diese Patienten besonders gut vor den möglichen Gefahren geschützt.

Durch die Chemotherapie werden allerdings nicht nur die weißen sondern auch die roten Blutkörperchen, welche den Sauerstoff transportieren, beschädigt. Wenn die Anzahl der sogenannten Erythrozyten zu stark zurückgeht spricht von einer Anämie (Blutarmut), was sich bei den meisten Betroffenen durch ständige Müdigkeit und >eingeschränkter Leistungsfähigkeit bemerkbar macht. In der Regel bildet sich auch diese Nebenwirkung nach Beendigung der Chemotherapie zurück. Sollte die Blutarmut allerdings zu bedrohlich werden, erhalten die Patienten eine Bluttransfusion oder Medikamente welchen den Wachstum der roten Blutkörperchen anregen. Auch die genannten Veränderungen des Blutbildes bilden sich, ähnlich wie die anderen Nebenwirkungen, einige Wochen nach Beendigung der Therapie zurück.

Übelkeit

Obwohl Übelkeit im ersten Moment nicht sehr schlimm klingt, so ist es doch eine der Nebenwirkungen die von den Patienten am meisten gefürchtet wird, da sich der Zeitpunkt und die Stärke des Erbrechens nicht vorhersehen lassen. Abhängig ist die Übelkeit vom verwendeten Mittel der Chemotherapie. Heutzutage wird zeitgleich zur Gabe der Zytostatika auch eine etwas zur Linderung der Übelkeit verabreicht. Diese Gegenmittel unterstützen auch die psychische Verfassung der Patienten, da sie bis zu einem gewissen Ausmaß vor dem Erbrechen geschützt werden.

Haarausfall während der Chemotherapie

Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 300.000 Menschen an Krebs. In vielen Fällen ist die Chemotherapie dann die letzte Möglichkeit die Krankheit zu besiegen. Patienten die sich für eine Behandlung entscheiden müssen allerdings oftmals schwerwiegende Nebenwirkungen in Kauf nehmen.
Die in den meisten Fällen und am häufigsten auftretende Nebenwirkung ist der Haarausfall, welcher durch die Zerstörung der Haarwurzeln, verursacht wird. Der folgende Abschnitt soll alle fragen die in Zusammenhang mit dieser Nebenwirkung stehen beleuchten.

Wieso genau kommt es zum Haarausfall?

Die während der Chemotherapie verabreichten Zytostatika führen zu einer Schädigung der schnellteilenden Zellen im Körper, wozu die Krebszellen zählen. Leider gehören auch Schleimhaut- sowie Haarzellen zu dieser Zellgruppe. Je länger die Behandlung andauert, desto weniger Halt haben die Haarwurzeln in der Kopfhaut, wodurch sie leichter ausfallen.

Wie lange dauert es bis die Haare ausfallen?

In den meisten Fällen kommt es nach etwa zwei bis vier Wochen zum ersten Haarausfall. Abhängig ist dies von der Belastung der die Kopfhaut ausgesetzt ist, denn bereits wenige Stunden nach der ersten Behandlung werden die Haarzellen geschädigt.

Wo welchen Faktoren ist der Haarausfall abhängig?

Wie stark beziehungsweise ob das Kopfhaar überhaupt ausfällt ist in der Regel von mehreren Faktoren die zusammenwirken, abhängig:

  • Art der Zytostatika
  • Stärke der Dosierung
  • Alter
  • Häufigkeit der Anwendungen

Wie lang dauert es bis die Haare wieder nachwachsen?

Allgemein gesagt beginnt der Haarwachstum sobald die Medikamente, die während der Chemotherapie eingesetzt wurden, abgebaut sind. In der Regel dauert dies zwischen sechs und acht Wochen nach der letzten Behandlung.

3. Ernährung

Um den Körper während einer Chemotherapie bei Kräften zu halten, ist es wichtig auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, denn nur so wird sichergestellt, dass sich der Körper in Behandlungspausen optimal regeneriert. Die durch die Nahrung aufgenommen Nährstoffe dienen unter anderem der Energiegewinnung (durch Fett und Kohlenhydrate), dem Aufbau von körpereigenem Gewebe (durch Eiweiß und Mineralstoffe), als Lösungsmittel (Wasser) und als Hilfsstoffe des Stoffwechselvorgangs (hauptsächlich Vitamine). Während einer Krebserkrankung kann dieser Nährstoff- und Energiebedarf deutlich erhöht sein.

Gründe dafür sind beispielsweise:

  • Nährstoffverbrauch des Immunsystems steigt
  • Krebserkrankung zehrt den Körper aus
  • Krebstherapie erhöht den Bedarf an Nährstoffen
  • Verhinderung beziehungsweise Verringerung einer Gewichtsabnahme

Im Großen und Ganzen sorgt eine angemessene Ernährung dafür, dass der Körper gesund und widerstandsfähig bleibt, um eine Chemotherapie so gut wie möglich zu überstehen. Jedoch muss man sich auch im Klaren sein, dass es keine allgemeine Definition von ausgewogener Ernährung für jeden einzeln gibt, da jeder Mensch individuelle Bedürfnisse und letztendlich auch geschmackliche Vorlieben hat. Daher sollte jeder Betroffene seinen eigenen Weg finden und sich lediglich an den Rahmenbedingung für eine ausgewogene Ernährung orientieren.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Viel Gemüse und Obst (Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe, Flüssigkeit – je mehr desto besser; außerdem binden Ballaststoffe die Giftstoffe aus dem Darm)
  • Hochwertige Öle und Fette (Energie, wichtige Fettsäuren)
  • Fleisch, Fisch, Nüsse und andere Hülsenfrüchte (Eiweiß, Mineralstoffe, Vitamine, Omega-3-Fettsäuren)
  • Milchprodukte (v.a. Eiweiß)
  • Getreideprodukte (v.a. Kohlenhydrate und Ballaststoffe)
  • Viel Wasser (Mindestens 2 Liter pro Tag um dem Körper die nötige Flüssigkeit zu geben, die er zum Entgiften braucht; nach Möglichkeit sollte auf Alkohol verzichtet werden)

Tipps gegen Appetitlosigkeit:

  • Nehmen immer dann eine Mahlzeit zu sich, wenn Sie Appetit verspüren
  • Trinken Sie nicht während den Mahlzeiten, sondern dazwischen
  • Kochen Sie nach Möglichkeit nicht selber, da Ihnen dies den Appetit verderben kann
  • Vermeiden Sie Kochgerüche im Haus oder der Wohnung – daher immer gut lüften
  • Halten Sie immer Snacks und andere kleine Mahlzeiten bereit, falls der Hunger plötzlich kommt
  • Nehmen Sie lieber mehrere kleine Mahlzeiten zu sich als wenige Große

Nährstoffempfehlungen während der Chemotherapie

Vitamin C (empfohlene Dosis abhängig von Vitamin-C-Blutspiegel):

Spezialisierte Ärzte und Kliniken verabreichen Vitamin C in hohen Dosen durch Infusion oder Injektion. Bei einer solch hohen Dosierung wirkt der Stoff nicht mehr als Vitamin, sondern wirkt über die steigende Bildung von H2O2, welches schädigend auf die Krebszellen wirkt. Ein therapeutisch wirksamer Vitamin-C-Blutspiegel liegt dabei über 1000 μmol/l. In der Regel können solche Konzentrationen nicht über eine normale, perorale Einnahme erreicht werden.

Vitamin E (400 mg I.E.):

Reduzierung der Nebenwirkungen von Strahlentherapien (Ödeme, Schleimhautentzündungen) und bestimmten Zytostatika Selen (Zielwert des Selenplasmaspiegels 150 μg/l (nur unter ärztlicher Kontrolle)): Kann dabei helfen Nebenwirkungen wie Haarausfall oder Entstehung von Erschöpfungszuständen einzudämmen. Reduziert Ödeme nach Brustkrebsoperationen

Omega-3-Fettsäuren (2,5-3 g EPA, DHA):

Fischöl hat entscheidenden Einfluss auf den Erhalt der Körper- und Muskelmasse von Krebspatienten

L-Carnitin (2-3 g):

Häufig führt eine Chemotherapie zu einem massiven Carnitinverlust über die Nieren. Dies kann nur durch eine externe Gabe ausgeglichen werden. Außerdem bietet L-Carnitin einen gewissen Schutz vor Müdigkeit und Erschöpfung

Glutathion: (5-30 g parenteral):

Neurotoxidität einer Chemotherapie wird deutlich reduziert

Melatonin (20 mg):

Beugt schwacher Blutbildung, Erschöpfung und auch Durchfällen vor

Coenzym Q10 (100-300mg):

Entscheidender Mikronährstoff für den Mitochondrienstoffwechsel

Nährstoffempfehlungen nach einer Chemotherapie

Vitamin C (0,5-2 g):

Wirkt immunregulierend; stärkt die Abwehrkräfte

Vitamin D (je nach Laborstatus):

Wirkt immunmodulierend

Selen (50-200 μg):

Wichtiges Spurenelement für ein starkes Immunsystem; Bestandteil des Enzymsystems

Coenzym Q10 (60-120 mg):

Ein optimaler Q10-Spiegel scheint den Krankheitsverlauf bei gewissen Krebsformen deutlich positiv zu beeinflussen

Omega-3-Fettsäuren (mindestens 1-2 g EPA, DHA):

Auswirkung auf Erhalt der Körper- und Muskelmasse

L-Carnitin (2-3 g):

Beugt Müdigkeit und Erschöpfung vor

4. Zytostatika

Was sind Zytostatika und welche gibt es?

Zytostatika können synthetische oder natürliche Substanzen, welche sich hemmend auf das Zellwachstum beziehungsweise die Zellteilung auswirken, sein. Zum Großteil werden diese Mittel zur Behandlung von Krebs eingesetzt. Aber auch Patienten mit Autoimmunkrankheiten können von den Medikamenten profitieren. Da Zytostatika vor allem Stoffwechselvorgänge stören, die für den Zellwachstum und Zellteilung verantwortlich sind, werden besonders schnell wachsende Zellen am meisten geschädigt. Allerdings zählen nicht nur Krebszellen zu dieser Kategorie; auch Haarwurzelzellen sowie der Magen-Darm-Trakt sind stark betroffen, was zu den typischen Auswirkungen wie Haarausfall oder Durchfall führt.

Arten von Zytostatikagruppen:

Interkalantien:

Diese Substanzen bewirken eine nichtkovalente Bindung an die DNA, wodurch eine Anbindung der Polymerasen, welche zur Replikation und Transkription der Erbsubstanz dienen, verhindert wird. Da nur wenige Tumorarten gegen diese Substanzen resistent sind, kommen sie bei fast allen soliden Tumoren zum Einsatz. Als häufige Nebenwirkungen treten Übelkeit, Anämie sowie verschiedene Organschäden auf.
Auswahl an Mitteln: Anthracycline (dazu zählt: Doxorubicin, Daunorubicin, Epirubicin, Idarubicin), Mitoxantron, Amsacrin

Platinanaloga:

Dieser Wirkstoffkomplex und dessen Verwandten zählen zu den wirksamsten Mitteln der Chemotherapie. Durch die kovalente Bindung des Platinatoms an zwei Nukleinbasen kommt es zu Quervernetzungen der DNA. Platine sind für eine Reihe von Nebenwirkungen wie Übelkeit, Anämie oder Nierenschäden verantwortlich. Zu den Einsatzgebieten zählen hauptsächlich Gebärmutter- und Eierstockkrebs, sowie Tumore rund um den Hals.
Auswahl an Mitteln: Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin, Satraplatin

Alkylantien:

Diese Substanzen sind die am längsten existierenden Zytostatika. Sie haben die Fähigkeit ihre Alkylgruppen auf die DNA zu übertragen. Da Alkylantien mindestens zwei funktionelle Gruppen besitzen, können sie ein Duo aus DNA-Strängen vernetzten, wodurch eine korrekte Dopplung während der Zellteilung verhindert wird. Als Nebenwirkungen ist mit Übelkeit, Anämie sowie einer generellen Immunschwächung zu rechnen. Alkylantien werden vor allem bei Leukämie als auch Brust- und
Lungenkrebs eingesetzt. Besonders bei bösartigen Hirntumoren nehmen diese Substanzen eine wichtige Rolle bei der Behandlung ein.
Auswahl an Mitteln: Stickstoff-Lost-Derivate (Cyclophosphamid, Ifsofamid, Trofosfamid, Melphalan, Chlorambucil, Estramustin), Alkylsulfonate (Busulfan, Treosulfan), Nitrosoharnstoffe (Carmustin, Lomustin, Nimustin, Stretozocin)

Antibiotika:

Mittel aus dieser Wirkstoffgruppe, welche antibakterielle sowie zytostatische Wirkung besitzen, werden aus Pilzen isoliert. Je nach Mittel variieren die Wirkungsweisen; am häufigsten kommt aber eine DNA-Vernetzung durch Alkylierung oder Interkalation vor. Da es sich hierbei zum Großteil um Peptide handelt, kann die Anwendung allergische Reaktionen hervorrufen. Desweiteren können Lungen- als auch Leberschäden auftreten.
Auswahl an Mitteln: Bleomycin, Actinomycin D, Mitomycin

Mitosehemmer:

Diese Hemmer gehen eine Bindung mit dem Eiweißmakromolekül Tubulin, welches Voraussetzung für die Zellteilung ist, ein. Die Substanzen kommen vor allem bei Lymphomen sowie Leukämien zum Einsatz. Als Nebenwirkung muss man eine Schädigung des Nervensystems in Betracht ziehen.
Auswahl an Mitteln:Alkaloide der rosafarbenen Catharanthe (Vinorelbin, Vincrisitn, Vinblastin, Vindesin)

Taxane:

Eine relativ neue Wirkstoffgruppe die 1994 zum ersten Mal synthetisch hergestellt werden konnte. Seit dem kommen Taxane vor allem bei Brust-, Prostata- und Lungenkrebs, immer öfter zum Einsatz.
Auswahl an Mitteln: Paclitacxel, Docetaxel, Cabazitaxel

Topoisomerasehemmer:

Die Enzyme Topomerase I und II führen zu gezielten, reversiblen Unterbrechungen im DNA-Strang. Dadurch kommt es zu irregulären, nichtbehebbaren DNA-Brüchen und spontanen Vernetzungen. Besonders bei soliden Tumoren, Lymphomen und Hirntumoren, hat diese Substanzklasse eine vielversprechende Zukunft. Mögliche Knochenmarksdepressionen müssen jedoch berücksichtigt werden.
Auswahl an Mitteln: Topoisomerase-I-Inhibitoren (Camptothecin, Topotecan, Irinotecan), Topoisomerase-II-Inhibitoren (Etoposid, Teniposid)

Antimetabolite:

Sie werden, getarnt als falsche Bausteine, in die DNA oder RNA eingebaut um so die Zellteilung und somit auch den Stoffwechsel zu stören. Als Nebenwirkungen treten Übelkeit, Anämie oder Nierenschäden auf. Behandelt werden damit hauptsächlich Darm- und Brustkrebs, sowie Leukämie.
Auswahl an Mitteln: Folsäureantagonisten (Methotrexat, Pemetrexet), Pyrimidinanaloga (Azacitdin, Decitabin, 5-Fluoruracil, Capecitabin, Doxifluridin), Purinanaloga (Pentostatin, Azathioprin)